Landeskunde im Unterricht

Hallo Leute,

wieder mal war kurz Sendepause, obwohl ich fast jeden Tag kurz hineingeschaut habe. Es war einfach zu viel los bei uns… Landeskunde ist eines meiner Lieblingsthemen im Unterricht. Wenn ich von mir ausgehe, dann ist gerade Landeskunde das Thema, das mich beim Fremdsprachenlernen am meisten anspricht. Wenn ich eine Sprache lerne, dann bin ich bestimmt dadurch motiviert, irgendwann mal die Gelegenheit zu haben und meine Kenntnisse auszuprobieren. Als ich noch zur Schule ging, waren die Möglichkeiten jedenfalls viel geringer als heute. Es gab keine preisgünstigen Fluganbieter, und das Internet, Skype, Moodle, Chatrooms und sonstiges gab es erst recht nicht. Es blieb uns eigentlcih nur das Fernsehen (natürlich kein Kabelfernsehen…), das Radio und Zeitschriften.

Ich werde niemals meinen Französischlehrer vergessen, dem ich unter anderem zu verdanken habe, das ich so bin , wie ich bin. Er hat mich für meine pädagogische Mission in Begeisterung versetzt und die ganze Zeit dabei unterstützt. Er hat in den damaligen Zeiten schon die ganze Zeit Landeskunde in den Unterricht integriert. Wie erfolgreich er dabei war, kann man auch daran erkennen, dass unsere Klasse die Abireise nicht nach Spanien oder eine sonstige Küstenstadt machen wollten. Nein, wir wollten nach Paris, und zwar mit dem Französischlehrer, und wir kannten uns schon recht gut aus, als wir dort ankamen….. Also versuchte ich seinem Vorbild auf meine Art zu folgen.

Ich arbeite mit SchülerInnen, die nicht unbedingt alle hochmotiviert sind für den Deutschunterricht. Das Unterrichtskonzept in Slowenien ist meist immer noch so, dass die Lehrkraft irgendwas erklärt und die SchülerInnen brav zuhören. Das gefällt den Lernenden auch nahezu perfekt. Denn dabei muss man sich ja nicht anstrengen und auch keine Verantwortungen für die eigenen Kenntnisse übernehmen. Denn die Lehrkraft ist ja sooooooooo unendlich langweilig. Außerdem ist bei uns der Einfluss des Staats und der Gesetzgebung im Unterricht erheblich. Ich weiß nicht, wie das in den anderen Ländern funktioniert, doch ich fühle mich in meinem Klassenzimmer nicht autonom genug, denn eigentlich wird ja fast jedes Wort, das ich ausspreche, jede Handlung, die ich vornehme, durch irgendwelches „schülerfreundliches“ Regelement bestimmt. Ich versuche, innerhalb dessen trotzdem meinen Freiraum zu schaffen und doch den rigiden Vorschriften nachzukommen.

Doch nun zu meinem Landeskundeunterricht. Ich habe mir überlegt, in den vierten abschließenden Jahrgängen mündliche Noten auf Grund von landeskundlichen Referaten bzw. mündlichen Auftritten nach Wahl der Schüler zu erwerben. Die Schüler wählen ein Thema, das die deutschsprachigen Länder betreffen soll. Es kann um Sport, Esskultur, Theater, Pop und Rock, klassische Musik, Städte und Reisen oder was auch immer gehen. Obwohl anfangs eher skeptisch und mit Panik haben die Schüler dann diese meine Idee doch akzeptiert und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und die Stunden sind meistens auch phantastisch ausgefallen. Ich werde nie das nach Weihnachtsmarkt in Wien duftende und mit Kerzenschimmer beleuchtete Klassenzimmer vergessen. Auch die Schokoladendegustation bleibt mir ewig in Erinnerung. Ich habe mich überzeugen lassen, dass Rammstein auch für meine empfindlichen Ohren gut klingen kann. Endlich weiß ich, wer Dirk Nowitzki ist. Auch über Hitler und den 2. Weltkrieg wird manchmal referiert. Wir haben auch Songs von Yvonne Catterfeld mit Gitarrenbegleitung gesungen. Und so wie mir ergeht, wird es wohl so manchen Lernenden auch ergehen. Und Deutsch war auf einmal nicht mehr so schrecklich.

Was mir dabei sehr wichtig ist – ich wollte die Referate unbedingt benoten. Und zwar wollte ich, dass die Lernenden dabei auch Einfluss haben. Also formulierte ich ein Bewertungsformular mit klar gesetzen Kriterien. Die Lernenden können selber entscheiden inwiefern sie sich Mühe geben wollen. Je mehr sie machen, desto höher wird die Note. Und ich muss sagen, die meisten sind überraschenderweise ganz schön ambiziös geworden. Auch in der Evaluierungsphase komme ich immer wieder zu erfreulichen Ergebnissen. Die Lernenden müssen sich für diese Note viel mehr Mühe geben und verbrauchen wesentlich mehr Zeit zur Vorbereitung als beim klassischen Abfragen. Und das nenne ich Erfolg.

Hier ist noch das von mir erstellte Bewertungsformular.

Fotogalerie

Advertisements
Published in: on April 10, 2008 at 2:55 am  Comments (2)  

The URI to TrackBack this entry is: https://blogmit.wordpress.com/2008/04/10/landeskunde-im-unterricht/trackback/

RSS feed for comments on this post.

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. ach ja, ich bin Deutschabteilungsstudentin an der Universitas Negeri Jakarta, Indonesien, und mache jetzt Abschlussarbeit ueber Landeskunde im Deutschunterricht. Es waere besser, wenn ich von Ihnen Vorschlaege bekommen, wie kann ich gut mein Lehrplan organisieren. Wie finden Sie den Unterricht mit und ohne Diskussionen ueber Landeskunde?

  2. ach ja, ich bin Deutschabteilungsstudentin an der Universitas Negeri Jakarta, Indonesien, und mache jetzt Abschlussarbeit ueber Landeskunde im Deutschunterricht. Es waere besser, wenn ich von Ihnen Vorschlaege bekommen, wie kann ich gut mein Lehrplan organisieren. Wie finden Sie den Unterricht mit und ohne Diskussionen ueber Landeskunde?
    danke im Voraus.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: